itb Karlsruhe – Forschen für das Handwerk.

Historie

Die Historie des itb

Im Jahr 1919 begründet der damalige Direktor des Badischen Landesgewerbeamtes in Karlsruhe, Walter Bucerius, das erste Forschungsinstitut mit Schwerpunkt „Handwerk“ und legt damit die Wiege für die Handwerksforschung in Deutschland. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Forschungsstudien nur an den Bedürfnissen von Großunternehmen orientiert waren. Bucerius wollte, dass auch Handwerksbetriebe von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Betriebsführung profitieren. Später kamen weitere handwerkliche Forschungseinrichtungen hinzu und das DHI als Dachorganisation wurde wenige Jahre später gegründet, welches noch heute als Zusammenschluss der fünf dezentral organisierten Institute tätig ist.

Gründungsurkunde des Institut für rationelle Betriebsführung, Karlsruhe 1919

Die ersten Jahre

Am 24. Oktober 1919 wurde das „Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung im Handwerk“ in Karlsruhe gegründet. Das Institut hatte die Zielsetzung, eine Verbesserung des wirtschaftlichen Erfolgs des Kleingewerbes zu unterstützen. Die Ergebnisse sollten in der ganzen Deutschen Republik Verbreitung finden.

Der Gegenstand der ersten Forschungsprojekte war zunächst gewerkespezifisch angelegt. Viele der Themen entstanden durch die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Gewerbeförderung und den Handwerkskammern. Es wurden Themen wie Materialwirtschaft, Abfallverwertung, Wärmewirtschaft und Betriebstechnik behandelt. Außerdem wurden Studien zur Wirtschaftlichkeit von Betriebseinrichtungen und Arbeitsgeräten durchgeführt.

Während es Zweiten Weltkriegs kam die Arbeit des Instituts durch die Auflösung der Handwerkskammern zum Erliegen.

Neuanfang

Nach Kriegsende wurde das Institut 1957 neu gegründet. Nach einigen Interimsjahren in Stuttgart wurde die Tätigkeit des Instituts 1965 mit seinem alten Sitz in Karlsruhe wieder aufgenommen.

Den Neuanfang sollte eine neue Namensgebung begleiten. Unter dem Namen „Institut für technische Betriebsführung“ lagen die Schwerpunktthemen des Instituts v. a. im technischen Bereich, z. B. in der Fabrik- und Logistikplanung.

Anfang der 1960er erhielt das Institut den Auftrag, die Grundlagen für die Ausbildung von Betriebsberatern zu schaffen und bei der Weiterbildung der im Land Baden-Württemberg tätigen Berater in Lehrgängen und Fachtagungen mitzuwirken. Es gehört bis heute zu den Grundaufgaben des itb, Weiterbildungsangebote für die Betriebsberater der Handwerksorganisation zu entwickeln.

Die Themenschwerpunkte haben sich in den 70er Jahren langsam weg vom den technischen hin zu eher betriebswirtschaftlichen Fragestellungen verschoben.

Vortrag von Institutsleiter Rühl während einer Tagung technischer Betriebsberater, 1968

Arbeitsvorbereitung beim Landesinnungsverband des Schreinerhandwerks BW, 1969

Das itb als Leitstelle für Weiterbildung

Die Schulungstätigkeit des Institutes wurde, auf wiederholten Wunsch der Öffentlichkeit, stetig ausgeweitet. Ziel war es, erarbeitete Forschungsergebnisse direkt an Interessenten*innen wie z. B. Handwerker*innen weiterzugeben. Der Tätigkeitsschwerpunkt des Instituts lag im Rahmen der Maßnahmen der praktischen Gewerbeförderung auf der Planung, Vorbereitung und Durchführung von betriebswirtschaftlichen Lehrgängen.

Die vom itb entwickelte Weiterbildungskonzeption wurde in den 1970ern als Richtschnur für die bundeseinheitliche Weiterbildung gewählt. Damit wurde dem itb eine Leitstellenfunktion für den Bereich der Weiterbildung in der Handwerkswirtschaft übertragen.

Am Institut wurden neben Weiterbildungsseminaren auch weiterhin Forschungsprojekte für das Handwerk durchgeführt. So wurden bspw. Kostenstrukturvergleiche für verschiedene Branchen des Handwerks entwickelt.

Die Entstehung des Betriebswirt

In den 1980er und 90er Jahren wurde für Handwerksunternehmer, nach erfolgreichem Abschluss der itb-Unternehmerseminare und nach einer entsprechenden Prüfung, der Abschluss „Betriebswirt des Handwerks“ erteilt. Diesen Abschluss erhielten in den kommenden Jahren ca. 1000 Absolventen der itb-Qualifizierung jährlich.

Ab diesem Zeitraum wurde das Thema Betriebswirtschaft immer präsenter. Damit einhergehend wurden am Institut in dieser Zeit die Themen Prozessoptimierung oder Geschäftsmodellentwicklung bearbeitet. Ab Mitte der 1990er gewannen neue Themen, wie z. B. der Arbeits- und Gesundheitsschutz oder die Telekommunikation an Relevanz für Handwerksbetriebe. Es standen zwei Forschungsbereiche: Dienstleistungsforschung und die Forschung zur Arbeitsgestaltung.

Am itb wurde in den 2000er Jahren weiter zur Steigerung der Dienstleistungsfähigkeit von Handwerksbetrieben geforscht und die zielgerichtete Entwicklung von Dienstleistungen im Rahmen des Service Engineering vorangetrieben. Im Zuge dessen veranstaltete das itb Geschäfts­planwettbewerbe und entwickelte Schulungen für Berater/innen der Handwerksorganisationen sowie Betriebe.

Absolventin Edith Herms mit Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber, 1983

Mit Wandel in die Zukunft

Mitte der 2010er Jahre entwickelten sich die bisherigen Schwerpunktthemen (Dienstleistung und Arbeitsgestaltung) zu Querschnittsthemen bei den jeweils aktuellen Forschungstrends. Das itb erarbeitete und erprobte hierzu langfristige und umfassende Maßnahmen: Zum einen, um vorhandene Mitarbeiter gesund und zufrieden zu halten. Zum anderen, um vorhandene Beschäftigte an den Betrieb zu binden.

Im Oktober 2019 feierte das Institut 100-jähriges Bestehen. Die Aktivitäten und Bestrebungen des itb in den vergangenen 100 Jahren dienten dazu, das Handwerk zukunftsfähig zu machen. An dieser Intention hat sich bis heute nichts geändert und sie wird auch weiterhin das wichtigste Anliegen des itb darstellen.

Die Trends der Zukunft haben jedoch nicht nur Einfluss auf das Handwerk, sondern werden auch das Arbeiten des itb beeinflussen. Somit gilt es, aktuelle Fragestellungen aufzugreifen und den Herausforderungen der Zukunft in Form einer engagierten und zielorientierten Arbeitsweise zu begegnen.

Vor allem die folgenden Themenbereiche werden auch in Zukunft die Aufmerksamkeit auf sich lenken:

  • Digitalisierung und Dienstleistungsentwicklung,
  • Diversität und Alterung,
  • Ökologie und Energie,
  • Märkte und Mobilität,
  • Arbeitssicherheit und Gesundheit,
  • Kompetenzen und Qualifizierung.