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Wie die Arbeitswelt 4.0 gestalten? - Kongress Prävention 4.0

Die Teilnehmer im Oktogon der Zeche © Silz/ifaa, Düsseldorf

Mit welchen konkreten Maßnahmen der digitale Wandel für kleine und mittlere Handwerksbetriebe sicher, gesund und produktiv gestaltet werden kann, das haben Experten aus Betrieben sowie aus Unternehmen des Mittelstands und des Handwerks gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik beim Kongress „Prävention 4.0 – sicher, gesund und produktiv“ im Industriedenkmal Zeche Zollverein in Essen diskutiert.

 

Dreh- und Angelpunkte der Veranstaltung waren vor allem die Risiken und Chancen, die neuentwickelte Technologien mit sich bringen: So können sie beispielsweise ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen, die Planung und Organisation von Betrieben erleichtern oder mithilfe von 4.0-Software – also durch smarte digitale Prozesse – die Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern.

 

Allerdings hängt der Erfolg beim Einsatz von 4.0-Prozessen ganz von der konkreten Gestaltung ab.

Paradebeispiel für die erfolgreiche Einführung von 4.0-Technologien ist Johann Liegl, Geschäftsführer der Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür gGmbH. Von den 400 Beschäftigten sind 180 körperlich oder geistig eingeschränkt – und auch in Führungspositionen tätig. Als Kongressreferent aus der Praxis berichtete Johann Liegl über seine Erfahrungen bei der Einführung und dem Einsatz einer automatischen chipgesteuerten Sortieranlage für Bewohnerwäsche, die in seinem Unternehmen zur Sortierung im Einsatz sei – weltweit die Erste. Die Anlage verbessere die Logistik, strukturiere die Arbeitsabläufe und vereinfache die persönlichen Anforderungen an die Beschäftigten. Zentraler Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Einführung sei für Liegl die enge Einbindung der Führungskräfte und Beschäftigten in den Prozess und bei der Ausgestaltung der Anlage. So konnten Ängste und Bedenken früh erkannt und vermieden werden.

"Chairless Chair" Exoskelett © Silz/ifaa, Düsseldorf

Auch Malermeister Markus Massmann zeigte mit seinem 20-Mann starken Betrieb, wie digitale Technologien auch im kleinen Unternehmen eingesetzt werden können. Automatisiert gesteuerte Prozesse ermöglichen ihm, dass sämtliche Informationen zu einem Auftrag – besondere Kundenwünsche, Aufmaße, Änderungen oder Besprechungsprotokolle - den Beschäftigten an jedem Ort und immer aktuell zur Verfügung stehen. Bei durchschnittlich sechs parallel laufenden Baustellen sei dies eine große Bereicherung. Auch habe Markus Massmann seine Abläufe verbessert, indem die Werkzeugverwaltung und Materialwirtschaft digitalisiert wurde.

 

Während des Kongresses hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem die Möglichkeit, neue Technologien wie Datenbrillen, Exoskelette oder Serviceroboter live zu erleben und selbst auszuprobieren.

 

Die  4.0-Technologoen können dazu beitragen, präventive Prozesse in Echtzeit in die Betriebsprozesse zu integrieren“, erläutert Anja Cordes, Mitarbeiterin des itb (Institut für Technik der Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut e.V.) in Karlsruhe, die den Kongress mitorganisiert und fachlich begleitet hat. „Bisher ist das Thema allzu oft erst nachträglich angegangen worden. Mit der Einführung von neuen Technologien haben wir nun die Chance, diese Themen um Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zum Beginn des Prozesses aufzugreifen und zu integrieren. Noch ist die Zeit, die Riesenpotenziale nutzen“, führt Anja Cordes weiter aus.

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