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DHI

Vernetzung und Austausch zur Unterstützung der Handwerksbetriebe

Fachtagung der Personalberater des ZDH

Eine zentrale Plattform zur Vernetzung sowie zum Austausch von Instrumenten und Erfahrungen bot auch in diesem Jahr die Fachtagung für Personalberater, die vom 10. – 11. März 2020 bereits zum zweiten Mal stattfand und ca. 30 Beraterinnen und Berater im Meistersaal des ZDH versammelte. Die Beiträge bestanden neben einleitenden Vorträgen aus wissenschaftlicher Sicht überwiegend aus Erfahrungsberichten aus dem Kreis der Teilnehmer.


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Fachtagung der Personalberater im Meistersaal  im Haus des Deutschen Handwerks

Nach der Begrüßung durch Rolf Papenfuß im Namen des ZDH bildete H.-Martin Prüße, Berufsgenossenschaft Holz und Metall, den inhaltlichen Auftakt. Er stellte psychische Belastungsfaktoren sowie den Umgang mit einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen vor. Dabei steht neben der Rechtssicherheit auch der Nutzen, den Unternehmen durch die Gefährdungsbeurteilung erfahren können, z. B. durch verringerte Ausfallzeiten, im Fokus. Es wurde eindrücklich dargestellt, in welchem Maße eine Arbeitsbelastung, wie z. B. hohe Arbeitsintensität, als gesundheitsgefährdend zu bewerten ist. In einer praktischen Übungseinheit konnten die Teilnehmenden die konkrete Handhabe einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen im Rahmen der Betriebsberatung trainieren.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks ist an mehreren Fronten aktiv, um dem Fachkräfteengpass entgegenzuwirken: Dr. Peter Weiss präsentierte ein aktuelles Vorhaben des ZDH-Beirats „Unternehmensführung im Handwerk“, das zur Attraktivitätssteigerung des Handwerks wirken soll. Hier werden derzeit mehrere aufeinander abgestimmte Instrumentarien rund um das Thema „Handwerk attraktiv“ erarbeitet. So soll z. B. ein eWerkzeugkoffer für Betriebe und für Handwerksorganisationen eine Auswahl an Instrumenten und konkreten Praxisbeispielen aus der Organisation und von Betrieben als Online-Tool zur Verfügung stellen. Darüber hinaus stellte Dr. Weiss ein Pilotvorhaben des ZDH vor, die Zuwanderung aus Drittstaaten zur Erweiterung des Fachkräfteangebots zu gestalten.

Mit dem Ziel, die Handwerksbetriebe im Bundesgebiet bei der Lösung der Fachkräfteproblematik wirkungsvoll zu unterstützen, kooperieren derzeit vier Handwerkskammern: Braunschweig-Lüneburg-Stade, Hannover, München und Oberbayern und Niederbayern-Oberpfalz. Sie bilden zusammen das Verbundprojekt Fachkräftezentren Handwerk, das im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert wird. Katja Mikus, Mitarbeiterin der Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH und Projektleiterin des Verbundprojektes, formuliert den bislang einzigartigen Arbeitsansatz so: Mit den Fachkräftezentren Handwerk bündeln wir die  Kräfte der vier regionalen Fachkräftezentren der beteiligten Handwerkskammern (Teilprojekte), um das Handwerk im Themenbereich Personal noch wirksamer und mit innovativen Ansätzen zu unterstützen. Dafür hat jedes Teilprojekt einen eigenen Arbeitsschwerpunkt gewählt. Im Rahmen des Verbundprojektes werden durch die Teilprojekte in engem Austausch Qualifizierungs- und Beratungskonzepte sowie zielgruppen- und lebensphasenorientierte Anspracheformate entwickelt, erprobt und durch das Institut für Betriebsführung im DHI e. V. evaluiert. Die Projektergebnisse werden im Verbund für den Transfer aufbereitet und stehen damit zur Anwendung durch die Handwerksorganisation oder interessierte Dritte bereit.

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Management-Werkzeug, welches Nicola Pauls, Handwerkskammer Region Stuttgart sowie Leiterin Personaloffensive Handwerk 2025 und Prof. Dr. Maximilian Wolf, Hochschule

Albstadt-Sigmaringen, mitbrachten: Sie stellten das Shopfloormanagement für das Handwerk vor. Das praxiserprobte Instrument kann zur Senkung von Kommunikations- und Abstimmungsfehlern beitragen und die innerbetriebliche Vertrauenskultur stärken. In einer praktischen Übung wurde erarbeitet, wie der konkrete Einsatz im Handwerksbetrieb aussehen kann. Das sehr einfach einzurichtende Organisationsinstrument ist damit gerade auch für Kleinstbetriebe geeignet, z. B. um Mitarbeiter wertzuschätzen an den Betrieb zu binden.

Der zweite Tag der Fachtagung startete inhaltlich mit einer bekannten Problematik bei der Unterstützung von Handwerksbetrieben: Oftmals sind die vielfältigen Qualifizierungs- und Beratungsangebote, Tools und Tipps der Organisationen des Handwerks auf Seiten der Betriebe nicht ausreichend bekannt. Katharina Baier und Anika Wohlers, Mitarbeiterinnen der Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH und verantwortlich für den Arbeitsschwerpunkt im Fachkräftezentrum der Handwerkskammer Hannover, verfolgen daher das Ziel, die Unternehmerinnen und Unternehmer sowie die Beschäftigten im Handwerk zielgruppengerecht so anzusprechen, dass sie auf die Unterstützungsangebote aufmerksam werden und diese auch wahrnehmen. Hierfür wurde eine umfangreiche und bisher einmalige Zielgruppenanalyse im Handwerk durchgeführt, mit der anhand von über 100 Tiefeninterviews vier „Typen“ identifiziert und beschrieben wurden, die bestimmte Formen der Ansprache bevorzugen. So präferiert beispielsweise der Typ „Fachliche Expertise“ Angebote, die von einem bekannten, vertrauenswürdigen Anbieter kommen und einen Austausch mit ausgewiesenen Fachexperten bieten. Über diese Merkmale kann dann eine zielgruppengerechte Ansprache und Bewerbung dieser Angebote erfolgen und damit die Ansprache z. B. im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Handwerksorganisationen optimiert werden.

Dass materielle Anreize ein wichtiges Werkzeug der Fachkräftegewinnung und –bindung sind, ist unumstritten. Peter Reininghaus von REININGHAUS Lohnkonzept + Netzwerk stellte Vergütungsstrukturen vor, die speziell in kleinen und mittleren Unternehmen dazu eingesetzt werden können, attraktivere Rahmenbedingungen auszugestalten. Damit erhielten die Teilnehmenden Impulse, wie Betriebe hier vorgehen können und welche konkreten Angebote sie ihren Beschäftigten bieten können.

Angesichts der kleinbetrieblichen Strukturen trifft der krankheitsbedingte Ausfall eines Mitarbeiters einen Handwerksbetrieb vergleichsweise härter als ein Industrieunternehmen. Eines der Fachkräftezentren Handwerk ist bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern angesiedelt und verfolgt den Schwerpunkt der Gesundheit und Gesunderhaltung. Michael Hadersdorfer, Handwerkskammer für München und Oberbayern und verantwortlich für den Arbeitsschwerpunkt im Fachkräftezentrum der Handwerkskammer für München und Oberbayern, stellte die hier entwickelten Instrumente vor. So wurde für Betriebsberaterinnen und –berater eine Fortbildung konzipiert und erprobt, die das Thema Gesundheit als neuen Beratungsschwerpunkt in Betrieben ermöglichen soll. Aber auch auf betrieblicher Ebene wird angesetzt und z. B. ein Workshop mit den Unternehmerfrauen im Handwerk e. V. zum Thema Gesundheit durchgeführt. Damit wurden die Personen ins Boot geholt, denen dieses Thema in vielen Betrieben obliegt. In Kombination dazu wird derzeit ein Netzwerk aus regionalen Sozialversicherungsträgern als Schlüsselpartner aufgebaut.

Den Abschluss bildete das Thema Arbeitgeberattraktivität und Handwerk: Oftmals ist es für die Klein- und Kleinstbetriebe schwer möglich, das breite Spektrum hierfür potenziell geeigneter Instrumente und Möglichkeiten zu überschauen bzw. strategische Prozesse einzuleiten. Wie sich Betriebe als attraktiver Arbeitgeber positionieren können, zeigte Anja Cordes, Institut für Betriebsführung im DHI e. V., auf. Dabei wurden wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Handwerksbereich und erprobte Lösungsstrategien präsentiert. Hierbei werden unter anderem die Handlungsfelder „Personalführung“, „Unternehmenskultur“, „Arbeitsgestaltung“ oder „Karriere-Laufbahn“ als Faktoren der Arbeitgeberattraktivität beleuchtet. Die Ergebnisse werden in Form eines Magazins anwendungspraktisch aufbereitet, das noch in diesem Jahr erscheinen und allen Handwerksorganisationen zur Verfügung gestellt werden soll.

Mit den Fachvorträgen, praktischen Übungen und Möglichkeiten zum Austausch bot die Fachtagung den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein breites Spektrum. Der ZDH wird den Erfahrungsaustausch zur Personalberatung auch im nächsten Jahr veranstalten, auf Einladung der Handwerkskammer in den Räumlichkeiten der HWK Region Stuttgart, wo auch die Handwerk 2025 – die Zukunftsinitiative für Personal, Strategie und Digitalisierung des Landes Baden-Württemberg – koordiniert wird. Angedacht ist, die Anregungen und Beiträge aus dem Netzwerk der Personalberatungsstellen weiterhin in die Tagung einzubinden sowie die fachliche Leitung beim DHI-Institut itb anzusiedeln, das zu der Thematik Fachkräftesicherung bereits eine Reihe von Projekten durchgefü

 

Ansprechpartner:

Rolf Papenfuß, Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V.
Tel.: 030 206 19-323
Mail: Papenfuss@zdh.de

 

Anja Cordes, Institut für Betriebsführung im DHI e. V.
Tel.:  0721/93103-25
Mail: cordes@itb.de

 

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