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KoBial

Rolle des Handwerks beim altersgerechten Planen und Bauen stärken

Bis 2050 wird die Zahl der stationär zu versorgenden Pflegebedürftigen auf ca. 3,5 Millionen ansteigen (Statistisches Bundesamt 2015). Einerseits liegt das im demografischen Wandel begründet. Andererseits trägt der Umstand dazu bei, dass der Anteil der älteren Menschen, die mit Partner zusammenleben, sinkt. Wie sieht die Zukunft der Pflegebedürftigen aus? Die "jungen Alten" wollen – soweit es geht – selbstbestimmt leben, sind vital, konsumorientiert, medienerfahren und technikoffen. Sie haben hohe Erwartungen an Qualität der Leistungen (z. B. Service und Freundlichkeit, "Alles aus einer Hand") und sind zum Teil finanziell besser ausgestattet als die Vorgängergeneration. Auf der anderen Seite muss mit wachsender Altersarmut, Langzeiterkrankungen, Technikaversion und Vereinsamung gerechnet werden.

Wie stellt sich der Markt auf diese Herausforderungen ein? Und welche Funktionen können Handwerksbetriebe bei der Gestaltung neuer Wohnformen und begleitender Dienstleistungen sowie bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle übernehmen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Institut für Technik der Betriebsführung (itb) in Karlsruhe – Forschungsstelle im Themenbereich Technik, Organisation und Qualifizierung im Deutschen Handwerksinstitut e.V., im Rahmen des Projekts "Kooperative Bauvorhaben im Sozialwesen – Wertschöpfungssysteme und Service-Engineering (KoBial)". Ziel ist die Entwicklung von neuartigen Wertschöpfungssystemen (im Sinne moderner IT-basierter unternehmensübergreifender Wertschöpfungsnetzwerke) für Handwerker, Berater/Planer, Architekten und Betreiber der Einrichtungen im Bereich des Wohnens für Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf. Dabei richtet sich der Fokus des itb besonders auf Dienstleistungspotenziale und neue Geschäftsmodelle für das Handwerk.

Im Projekt KoBial begibt sich das itb gemeinsam mit der BruderhausDiakonie (Sozialdienstleister u.a. in der Altenhilfe), Planern, Handwerkern und IT-Partnern auf den Weg, bereits den Planungs- und Bauprozess von Neu- und Umbauten im Netzwerk bedarfsgerecht mit integrierten Technologien (in Wänden, Decken, Fußböden, etc.) für zukünftige Bewohner in Pflegeheimen und im betreuten Wohnen zu gestalten. Bereits jetzt zeichnen sich zwei Herausforderungen ab:

Problem 1: Der Planungsprozess erfolgt i. d. R. ohne konkrete Kenntnisse über die individuellen Bedürfnisse des zukünftigen Bewohners. Wer dieser "Kunde" sein wird, wie er leben will, welche Unterstützungsleistungen er benötigt und was er sich finanziell leisten kann, zeigt sich oft erst nach Abschluss des Bauvorhabens. Kosten- und zeitintensive Nachbesserungen können dadurch entstehen.

Problem 2: Da das Handwerk selten in den Planungsprozess eingebunden wird, entstehen Informations- und Kommunikationslücken, die den Umsetzungsprozess erschweren können.

Zu untersuchen ist, welche intelligenten integrierten Netzwerkkonzepte dabei helfen können, beide Probleme zu lösen. Je komplexer die Wohnformen und die (technischen) Ausstattungsmöglichkeiten, desto wichtiger wird es, intelligente integrierte Netzwerkinfrastrukturkonzepte zu entwickeln, die neben modernen Smart-Home-Technologien auch alle Akteure frühzeitig im Prozess einbinden. Dies gilt z. B. beim Ausbau von Hausgemeinschaften, Wohngemeinschaften und von Quartierskonzepten (Mix an quartiersorientierten, bedarfsgerechten Wohnformen mit Optimierung professioneller und informeller Hilfen). In diesem Kontext werden auch interessante neue branchen- und geschäftsfeldübergreifende Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für das Handwerk entstehen.

Neben dem Projekt "KoBial" (www.kobial.de), das im Rahmen der Smart Home & Living Initiative vom Land Baden-Württemberg gefördert wird, befasst sich eine aktuell veröffentlichte Perspektivstudie des itb u. a. mit dieser Thematik (Bauer, J. M.; Heinen, E.; Müller, K. (2017): Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg (Hrsg.): Dialog und Perspektive Handwerk 2025. Strategiekonzept und Handlungsfelder für das Handwerk in Baden-Württemberg, Stuttgart. Siehe weiterhin: www.lebensphasenhaus.de. Auch als Geschäftsstelle der "Offensive Gutes Bauen" (www.offensive-gutes-bauen.de) wird das itb diese Themen aufgreifen.

Ansprechpartnerin:
Dr. Uta Cupok
Tel.: 0721-93103-27
E-Mail: cupok(at)itb.de

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