Details

Prävention 4.0

Der Mittelstand im digitalen Wandel

Prävention 4.0

Digitale Arbeitswelt 4.0: Erfassung und Nutzung der Potenziale als entscheidender Wettbewerbsfaktor für Unternehmen und Unterstützungspartner
„Digitale Transformation“, „Wirtschaft 4.0“ – diese Begriffe sind in aller Munde. Langsam wird deutlich, wie grundlegend sich die digitale Transformation auf die Art wie wir leben und arbeiten auswirkt – in sämtlichen Wirtschaftsbereichen. So stehen Unternehmen als auch deren Unterstützungspartner vor der Herausforderung, die Potenziale und Risiken der Arbeitswelt 4.0 zu erfassen und Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen. In welchem Maß dies gelingt, wird die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe maßgeblich entscheiden. Doch wo liegen dabei zukünftige Entwicklungen und Bedarfe für die Beratung und Unterstützung von Betrieben? Um dies zu ermitteln, befragte das Forschungsprojekt „Prävention 4.0“ BetriebsberaterInnen zum Thema digitale Arbeitswelt.


Große Bandbreite einbezogener BeraterInnen – starke Vertretung des Handwerks
Um eine möglichst große Bandbreite an Ausrichtungen und Hintergründen der Betriebsberatung zu erreichen, wurden insgesamt 845 Mitglieder des Verbands für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI), BeraterInnen der Handwerkskammern und –Fachverbände des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), der Bundesgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) sowie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) befragt. Die online-Befragung fand von August bis September 2016 statt.
Die meisten der Befragten (60,8 Prozent) sind einer Organisation zugehörig (z. B. Verband, Handwerkskammer) und beraten mehrere Unternehmen als externe BeraterInnen. 39,2 Prozent der Befragten beraten intern nur das Unternehmen, indem sie beschäftigt sind. Die Verteilung der Betriebsgrößen ist zwischen den Gruppen der externen und internen BeraterInnen sehr ungleich: Der größte Anteil (47,9 Prozent) der durch externe BeraterInnen unterstützte Unternehmen haben 1-19 Beschäftigte, während bei den betriebsinternen BeraterInnen der Anteil der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten den größten Anteil (63,7 Prozent) einnimmt. Der Handwerksbereich findet breite Vertretung: Hauptsächlich Beratend im Handwerk sind insgesamt 33,3 Prozent, von den betriebsinternen 7,0 Prozent, von den externen BeraterInnen sind dies 50,5 Prozent.


Wachsende Bedeutung des Themas Arbeitswelt 4.0 in der Betriebsberatung – Betriebsgröße entscheidend
Dass das Thema „Arbeitswelt 4.0“ in der Beratungspraxis heute eine eher untergeordnete Rolle spielt, machen diese Zahlen deutlich: Nur 2,0 Prozent der externen und 8,0 Prozent der betriebsinternen BeraterInnen stufen die Bedeutung dieses Themas als sehr groß ein. In der Zukunft steigt dieser Wert jedoch stark an: In fünf Jahren schreiben 12,3 Prozent der externen und 21,9 Prozent der internen BeraterInnen dem Thema „Wirtschaft 4.0“ sehr große Bedeutung zu. Dabei gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto geringer die dort von Seiten der Betriebsberatung eingeschätzte Bedeutung des Themas 4.0 - auch in fünf Jahren. Die BeraterInnen sehen das Thema jedoch bei Unternehmen bis 499 Beschäftigten vs. größeren Unternehmen ungleich stark verortet: So schätzen sie den Anteil der KMU, die das Thema für 'hoch relevant' (26,7 Prozent der internen und 16,8 Prozent der externen BeraterInnen) halten geringer ein als bei den nicht-KMU (38,7 der internen und 38,5 Prozent der externen BeraterInnen).
In einigen Betrieben sind schon digitale 4.0-Technologien im Einsatz: So sind in mehr als der Hälfte (59,1 Prozent) der Betriebe, die extern beraten werden, Smartphones in Gebrauch, von den intern beratenden Betrieben sind dies knapp zwei Drittel (66,7 Prozent). Systeme wie Sensoren an Arbeitsmitteln kommen bei gut einem Fünftel der Betriebe (21,5 Prozent der extern und 22,4 der intern beratenen Betriebe) zum Einsatz.


Neue Anforderungen: Körperliche Belastungen nehmen ab, psychische steigen
Die Arbeitswelt 4.0 birgt für den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb neue Chancen, aber auch neue Risiken: Für fast drei Viertel (71,3 Prozent) der Befragten bringt Arbeit 4.0 neue Belastungen und Gefährdungen. Dabei stehen vor allem die psychischen Belastungen im Vordergrund: Für 43,4 Prozent der Befragten werden diese in der Zukunft stark zunehmen. Das gleiche gilt für die kognitiven Belastungen: Mehr als die Hälfte der Befragten (52,2 Prozent) glaubt, dass auch diese Belastungen ansteigen werden Bei den körperlichen Belastungen kehrt sich dies um: Für ein Fünftel (20,8 Prozent) nehmen diese mit der digitalen Transformation stark ab. Hintergrund dieser Ergebnisse könnten die Potenziale sein, die z. B. Assistenzsysteme mit sich bringen, wie Exoskelette oder Wearables, die körperliche Belastungen reduzieren sollen. Sie bringen jedoch auch neue Anforderungen beim sachgemäßen Einsatz mit sich, was auch erforderliche neue Kompetenzen bedeuten kann. Die Beanspruchung verlagert sich von der physischen, hin zur psychischen.

Neben der potenziellen Reduktion körperlicher Belastungen und Gefährdungen bieten die neuen Technologien weitere Chancen. So gibt beispielsweise über die Hälfte (52,9 Prozent) der Befragten an, dass Arbeit 4.0 neue Potenziale / Ressourcen zur Förderung der Leistungsfähigkeit mit sich bringt und mehr als ein Drittel (35,35 Prozent) sieht Potenziale in der Erfassung von Belastungen und Gefährdungen. Bei 41,2 Prozent der internen und 31,5 Prozent der externen BeraterInnen werden in „ihren“ Betrieben Instrumente zur digitalen Datenerfassung für Gefährdungsbeurteilung verwendet.  
Um auf eine geänderte Belastungssituation angemessen zu reagieren, sind für 79,4 Prozent neue oder andere Maßnahmen erforderlich. Der Bereich der Führung spielt hier eine wichtige Rolle. Führungskräfte werden in Unternehmen aus Sicht deutlich über der Hälfte (58,1 Prozent) der Befragten nicht auf veränderte Führungsaufgaben durch Arbeit 4.0/ Prävention 4.0 vorbereitet.


Unterstützung der BeraterInnen tut Not
Nur knapp ein Fünftel (19,2 Prozent) der Befragten beraten aktuell zum Thema „4.0“, über die Hälfte (53,9 Prozent) möchte dies jedoch. Hierfür sehen die Befragten jedoch die Notwendigkeit, entsprechende Handlungskompetenzen aufzubauen: Nur knapp einem Viertel (24,9 Prozent) der BeraterInnen stehen hierzu ausreichend Informationen zur Verfügung. Entsprechend groß ist der Bedarf an Unterstützungsleistungen: Die BeraterInnen wünschen sich Informationsmaterialien (84,1 Prozent) und Checklisten, Praxishilfen (82,4 Prozent), Best-Practice (79,7 Prozent) oder Weiterbildung (79,5 Prozent).


Aufgreifen der Handlungsbedarfe im Projekt „Prävention 4.0“
Um diese ermittelten Bedarfe zu erfüllen, werden im Rahmen des Forschungsprojektes „Prävention 4.0“ niederschwellige Instrumente und Unterstützungsangebote für KMU und Betriebsberater erarbeitet, wie ein Handlungsleifaden und eine Expertise rund um das Thema Arbeitsgestaltung in der Wirtschaft 4.0, von Unternehmenskultur 4.0 über Cloud-Anwendungen zu Datensicherheit. Diese Produkte sollen KMU und deren Beratern helfen, den Herausforderungen in Sachen 4.0 mit adäquatem „Rüstzeug“ zu begegnen.

Durchgeführt wurde die Erhebung im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts „Prävention 4.0“, das sich aus Vertretern der Bereiche Wissenschaft, Mittelstand und Handwerk, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden sowie Sicherheitsingenieuren zusammensetzt. Hier werden Handlungsempfehlungen und Leitlinien für eine präventive Arbeitsgestaltung in der Arbeitswelt 4.0 entwickelt, damit die Akteure in kleinen und mittleren Betrieben die Potenziale der betrieblichen Prävention in der digitalisierten Arbeitswelt wirkungsvoll nutzen können.

Die Ergebnisse der Befragung sind zugänglich auf der Projekthomepage.


Ansprechpartner:
Anja Baumann und Andreas Ihm
baumann@itb.de, ihm@itb.de,
0721/931 03-25

 

Zurück