Diversität und Alterung

Die Herausforderungen liegen im grundlegenden Wandel der Altersstruktur der Bevölkerung, die maßgeblich von drei Haupteinflussfaktoren bestimmt wird: Der sinkenden Fertilitätsrate, der gestiegenen Lebenserwartung und der Nettozuwanderungsrate. Die Entwicklung dieser drei Faktoren führt zum demografischen Wandel. Seine Folge ist eine mit zu-nehmender Geschwindigkeit alternde und schrumpfende Gesellschaft in Deutschland, die allein über Zuwanderung aus anderen Ländern das Schrumpfen verhindern kann. Heraus-forderungen liegen im Mangel an verfügbaren Nachwuchs- und Fachkräften; Chancen und Potenziale ergeben sich vor allem auf der Nachfrageseite: Die veränderte Bevölkerungs-struktur führt zu veränderten Bedarfsstrukturen nach Produkten und Dienstleistungen (z.B. Stichwort: seniorengerechtes Bauen und Wohnen, Sicherheitstechnik).

Als Folge des demografischen Wandels muss schon heute in vielen Regionen und Berufsgruppen aufwändig um passendes Personal geworben werden. Hier besteht die Herausforderung für Handwerksbetriebe darin, dass sie sich in überdurchschnittlichem Maße mit Personalengpässen konfrontiert sehen, die laut Prognosen in Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklungen eher noch zunehmen werden. Es ist verstärkt ein Wandel von einem „Arbeitgebermarkt“ hin zu einem „Arbeitnehmermarkt“ zu beobachten. Unter diesen neuen Rahmenbedingungen können sich Stellenbewerber immer häufiger zwischen den attraktivsten Arbeitgebern entscheiden. Die Chancen und Potenziale liegen in der Umsetzung von neuen Personalstrategien, einer effektiveren Zielgruppenansprache, in Wegen zur Erreichung einer höheren Arbeitgeberattraktivität oder Maßnahmen der Personalentwicklung.

Auf der anderen Seite sind viele (vor allem ländliche) Regionen von Abwanderung der jungen Bevölkerung geprägt - der „Generationenvertrag“ wird nicht mehr gelebt, immer mehr ältere Menschen vereinsamen und verarmen. Chancen und Potenziale für das Handwerk liegen einerseits in der Art und Weise der aktiven Teilhabe an der Gestaltung der entstehenden Großstädte und andererseits in der Entwicklung intelligenter Dienstleistungen für die (älteren) Menschen im ländlichen Raum. Hier werden neue Geschäftsmodelle und innovative Dienstleistungen benötigt, für deren Entwicklung und Ausführung insbesondere handwerkliche Kleinbetriebe prädestiniert sind.

In diesem Kontext liegt ein breiteres Bewerberspektrum im Sinne der Diversität vor: Die Chancen bestehen darin, dass Betriebe verstärkt Menschen mit unterschiedlichen Erwerbsverläufen (Quereinsteiger/innen, Frauen in Männerberufen und Männer in Frauenberufen, Migranten, Hochschulabbrecher/ innen, Wiedereinsteiger/innen, Langzeitarbeitslose, Menschen mit Beeinträchtigung etc.) in den Betrieb integrieren und aus dieser Vielfalt Potenziale für die Entwicklung des Betriebes ziehen, wie beispielsweise Innovationspotenziale, indem beispielsweise Organisationsstrukturen neu gedacht werden (müssen). Herausforderung wird sein, der Vielfalt in den Belegschaften durch passende Maßnahmen der Förderung gerecht zu werden und die vielfältigen Kompetenzen in den Betrieb einzubringen.