Zugehörigkeit und Geschichte

Zugehörigkeit

Das itb ist eine von 5 Forschungsstellen, die zusammen das Deutsche Handwerksinstitut e.V. (DHI) mit Sitz in Berlin bilden. Diese Forschungsstellen bearbeiten unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte mit dem Ziel, das Handwerk in seiner Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen - sei es durch wissenschaftlich fundierte, aber anwendungsbezogene Forschungsarbeiten zu Problemstellungen des Handwerks, sei es durch unmittelbare praktische Maßnahmen der Gewerbeförderung.

Neben den Forschungsstellen

ist das itb als weitere Forschungsstelle die älteste Einrichtung - gegründet 1919 in Karlsruhe.

Den gemeinnützigen Verein des DHI bilden die Handwerkskammern und Bundesfachverbände des Handwerks als Mitglieder. Als Vorsitzender des Vereinsvorstandes ist Holger Schwannecke für die Gesamtleitung des DHI zuständig. Die zahlreichen Mitglieder werden in einem Kuratorium unter der Leitung von Präsident Jürgen Herbst, Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, vertreten.

Innerhalb des DHI selbst werden die laufenden Geschäfte von der DHI-Geschäftsstelle mit Sitz im Berliner Haus des Deutschen Handwerks – Geschäftsführung Dirk Palige, Geschäftsstellenleitung Dr. Knut Heldt  – für die Institute abgewickelt. Für die Zuordnung der Forschungsaufgaben ist das DHI-Bewertungsgremium zuständig.

Die Finanzierung des DHI erfolgt gemeinsam aus Mitteln des Handwerks, des Bundesministeriums für Wirtschaft und aus Mitteln sämtlicher Wirtschaftsministerien der einzelnen Bundesländer. Insbesondere über den DHI-Forschungsrat wirken die Vertreter der Wirtschaftsministerien des Bundes und der Länder bei der Gestaltung des DHI-Forschungs- und Arbeitsprogrammes konstruktiv mit.

Bei der Festlegung seiner Arbeitsschwerpunkte steht dem itb ein Institutsbeirat zur Seite, der sich zusammensetzt aus:

  • Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
  • Vertretern des Landesministeriums für Wirtschaft in Baden-Württemberg
  • Vertretern des Zentralverbands des Deutschen Handwerks
  • Vertretern des Deutschen Handwerksinstituts
  • Vertretern der Handwerksorganisationen des Landes Baden-Württemberg
  • weiteren Persönlichkeiten des Handwerks

Geschichte

Walter Bucerius, der damalige Regierungsrat im badischen Landesgewerbeamt in Karlsruhe, initiierte mit seiner Forderung "Mehr Wirtschaftlichkeit im Handwerk durch rationelle Betriebsführung" die Gründung des heutigen itb. In den schwierigen Zeiten nach dem 1. Weltkrieg wurde am 24.10.1919 das "Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung im Handwerk" in Karlsruhe eröffnet - eine Einrichtung, die von den Handwerkskammern in Baden und verschiedenen Wirtschaftsstellen getragen wurde.

Dass die künftige Tätigkeit des Instituts sich nicht auf Baden beschränken könne, wurde bereits bei der Gründung festgestellt. Tatsächlich wurde das Forschungsinstitut schon 1921 vom damaligen Reichsverband des Deutschen Handwerks als "Zentralstelle für die Rationalisierungsbestrebungen im Deutschen Handwerk" anerkannt. Im Januar 1922 erschien das erste Monatsblatt des Instituts unter dem Titel "Betriebsführung", redigiert von Walter Bucerius.

Es genügte Bucerius nicht, dass auch im Handwerk technische Neuerungen, zeitgemäße Arbeitsmittel und somit der technische Fortschritt Einzug hielt. Sein Anliegen war, dass sich auch das Handwerk mit den Grundsätzen Taylors der "wissenschaftlichen Betriebsführung" auseinandersetzen muss, um den "Aufwand zu mindern, und die Leistung zu erhöhen".

Walter Bucerius ("Grundlagen der rationellen Betriebsführung in Handwerk", Karlsruhe 1924) und Dr. Karl Rößle ("Die Grundzüge der handwerklichen Selbstkostenberechnung", Karlsruhe 1924) knüpften an die von Taylor für Großbetriebe entwickelten Ideen an, sahen die Fortschritte in der Technisierung und Kommerzialisierung des Handwerks und bemühten sich um passende Lösungen für Produktionsabläufe im Handwerk, um die "Wirtschaftlichkeit in der Produktion zu erhöhen". Gewiss war das Handwerk nicht der klassische Anwendungsbereich für die Umsetzung der Taylor'schen Vorstellungen, aber es benötigte zu seiner Modernisierung immer wieder Impulse zur Rationalisierung im passenden Rahmen.

Mit diesen anwendungsbezogenen Forschungsarbeiten setzte das "Institut für rationelle Betriebsführung" eine praktische Reformbewegung in Gang. 1929 erfolgte die Verlegung der Einrichtung nach Berlin, wo es im "Institut für Handwerkswirtschaft" (Deutsches Handwerksinstitut) aufging. Zu den Mitarbeitern in diesen Jahren in Karlsruhe und Berlin gehörte unter anderem Dr. Heinrich Kolbenschlag, in den 70er Jahren dann Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. (Genauere Beschreibung der Gründung und Entwicklung von 1919-1928 in einer Abhandlung von Walter Bucerius aus dem Jahr 1943)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Deutsche Handwerksinstitut (DHI) unter maßgebender Beteiligung von Prof. Dr. Karl Rößle mit dem Institut für Handwerkswirtschaft in München neu gegründet. Nach einigen Interimsjahren in Stuttgart erfolgte 1965 die Wiederaufnahme der Tätigkeit des Institutes in Karlsruhe unter dem Titel "Institut für technische Betriebsführung - ItB". Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Edgar Hotz bezog das Institut im neu erbauten Haus des Landesgewerbeamtes seinen heutigen Sitz.

 

Walter Bucerius
Walter Bucerius
 
Prof. Dr.-Ing. Günter Rühl
Prof. Dr.-Ing. Günter
Rühl
Dr. Gerold B. Hantsch
Dr. Gerold B.
Hantsch
Prof. Dr. Birgit Ester
Prof. Dr. Birgit Ester
 

1967 übernahm dann der Inhaber des betriebswirtschaftlichen Lehrstuhls für Fertigungswirtschaft und Arbeitswissenschaft an der Universität Karlsruhe, Prof. Dr.-Ing. Günter Rühl, die Leitung des Instituts. Im Sinne der Tätigkeit eines Wirtschaftsingenieurs erfolgte unter Rühl eine Ausrichtung der Aktivitäten des Instituts auf den Be­reich der Unter­stützung des Hand­werks bei der Ver­mitt­lung und dem Ein­satz zeit­gemäßer Mana­gement­techniken für die Betriebs­berater innerhalb der Hand­werksorganisation und für Unter­nehmer und Führungskräfte des Handwerks. Bereits 1970 begann das itb mit dem Angebot ent­spre­chender Weiter­bildungs­lehrgänge, die heute unter dem Begriff "Betriebswirt (HWK)" eine bundesweit anerkannte Weiter­bildungs­maßnahme für Führungs­kräfte im Hand­werk darstellen.

Zusammen mit Prof. Rühl wirkte seit 1968 auch dessen Stellvertreter Dr. Gerold B. Hantsch am itb. Von 1993 bis Juli 2006 war er sein Nachfolger in der Funktion des Institutsleiters.

Seit 2006 hat Frau Prof. Dr. Birgit Ester die Leitung des itb.

Der Name des Instituts hat sich in der Zwischenzeit erneut leicht verändert in: "Institut für Technik der Betriebsführung" - itb, um die aktuelle Institutstätigkeit "Vermittlung von Managementtechniken" stärker zu betonen - noch immer getreu den Forderungen seines Gründers Walter Bucerius.